Die Geschichte von Rotbier

Rotbier ist keine Erfindung der heutigen Zeit. Die Babylonier sollen 20 verschiedene Biersorten gekannt haben, darunter ein rotes Bier. Das orientalische Gebräu bestand zu drei Vierteln aus Emmerbrot und geröstetem Emmerkorn und zu einem Viertel aus gekeimtem Emmer. Der Kodex Hammurabi (1700 vor Christus) beinhaltet neben zahlreichen Gesetzen die älteste überlieferte Bierschankordnung der Welt. Das „babylonische Reinheitsgebot“ sah vor, dass Bierpanscher in ihren Fässern ertränkt, alternativ bis zum Tod durch Ersticken mit Bier vollgeschüttet wurden. Wahrlich ein bierseliges Ende.
Die Ursprünge des Rotbierbrauens in Europa reichen zurück ins frühe Mittelalter. In jener Zeit wurde das Original Nürnberger Rotbier erfunden, ein untergäriges Bier, das ausschließlich mit Gerstenmalz gebraut wird. Aus Hamburg ist überliefert, dass anno 1536 der Braumeister Joachim von Lohe einen feuerroten Gerstensaft komponierte, der in seiner Schankstube reißenden Absatz fand.
Die Belgier entwickelten im 19. Jahrhundert ein süßlich-saures Rotbier, das in Eichenfässern reifte. Im angelsächsischen Sprachraum zählt Red Ale zu den traditionellen Sorten. Unter dem Begriff Rotbier existieren zahlreiche Marken. Gemeinsam ist ihnen der rötliche Farbton, der durch eine entsprechende Lagerung, wahlweise durch einen Zusatz von Farbmalzen erzielt wird. In einigen Regionen bezeichnen Brauereien Rauch- und Braunbiere als rotes Bier.
Durch die Einführung unzähliger neuer Biersorten geriet das delikate Rotbier bedauerlicherweise in Vergessenheit.
Mittlerweile wurde diese alte Spezialität zur Freude der Bierkenner neu entdeckt und die Rotbierkultur erfolgreich wiederbelebt.

Was Rotbier auszeichnet

Rotbier ist ein feinmalzige Biersorte mit einer unaufdringlichen Karamellnote. Das Malz, dessen Zucker beim Erhitzen karamellisiert, verleiht dem Rotbier seine süßliche Note. Mild und leicht zuckerig unterscheidet es sich somit gravierend von einem herben Pils. Bitterstoffe sind im Hintergrund schwach wahrnehmbar, Aromahopfen sorgt für einen harmonischen, vollmundigen Geschmack. Die besonderen Malze, die verhältnismäßig lang und heiß getrocknet werden, bewirken die Rotfärbung des Biers. Die Krone leuchtet mit gold-rotem Schimmer und zaubert ein zufriedenes Lächeln auf die schaumigen Lippen. Das Auge trinkt mit!

Rotbier-Revival in Deutschland

Marktforscher und deutsche Braumeister sind sich einig, dass milde Biersorten stark im Kommen sind. Vor allem bei der jungen Generation liegen solche Biere im Trend. Die Prognosen für ein erfolgreiches Comeback dieser alten Biersorte stehen gut: Zum Wohle!